Unter dem Motto „Recht auf Stadt“ haben sich rund 20 Initiativen (darunter der Einwohnerverein St. Georg und die BI „Ohne Mix is nix“) zu einem hamburgweiten Netzwerk gegen Aufwertung, Gentrifizierung und Verdrängung zusammengeschlossen.
Den offiziellen Aufruf zur Parade können Sie hier als PDF downloaden.
Allerorten brechen die Konflikte auf, wehren sich Menschen gegen eine Stadt-
teilentwicklungspolitik, die ihnen durch eine anhaltende Mietpreisexplosion, durch massen-
hafte Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen, die Vernichtung des örtlichen Kleingewerbes und dubiose Großprojekte den Lebens- und Wohnraum streitig macht. In Wil-
helmsburg haben am 31. Oktober gut 2000 Menschen gegen eine neue Quasi-Autobahntrasse
mitten über durch die Wohngebiete demonstriert, Hunderte von KünstlerInnen haben Häu-
ser im alten Gängeviertel in der Neustadt besetzt, in St. Georg haben wir über 2000
Unterschriften „gegen die Zerstörung der sozialen Strukturen in St. Georg“ gesammelt.
Wer sich einen Überblick über diese vielfältigen Initiativen in St. Pauli und St. Georg, in Altona und Wilhelmsburg, der Neustadt und der Sternschanze verschaffen will, sollte sich die Broschüren „Trendy, teuer, langweilig“ (www.we-make-the-city.de) und das durch die edien geisternde, alternative „Hochglanzmagazin“ „Hamburg – Unter Geiern“ herunterladen. Im Dezember oder spätestens im Januar 2010 werden die Gruppen zu einer Hamburger „Parade“ einladen, auf der sich der Protest bunt und vielschichtig präsentieren wird.
St. Georg gilt in der Stadt als eines der Zentren der Gentrifizierung. Hunderte von Menschen sind hier in den letzten Jahren aus ihren Wohnungen und kleinen Läden vertrieben worden. Nach einer aktuellen Erhebung ist hier für eine Mietwohnung der durchschnittliche Quadratmeterpreis auf 9,15 Euro angewachsen, die Zunahme von 2005 bis September 2009 betrug hier weit überdurchschnittliche 11,2 %!
Hinsichtlich dieser Entwicklung scheiden sich die Geister. - Grundsätzlich.
Während
• „eine Initiative der Lindenstraßen-Unternehmen“ am 29. September großformatig im „Hamburger Abendblatt“ inserierte und jubelte, dass die Lange Reihe „mittlerweile
zu den Top 50 der Hamburger Straßen mit den gehobenen Eigentums- und Mietwoh-
nungen“ gehören würde,
• der hiesige Bürgerverein die von den o.a. 2000 Menschen unterzeichneten Forde-
rungen u.a. nach einer sozialen Erhaltenssatzung und Mieterschutz für Kleingewerbetrei-
bende in seinen im Oktober erschienenen „Blättern aus St. Georg“ mal eben als „populis-
tisch und nicht umsetzbar“ abklassifizierte,
• kaum ein Monat vergeht, in dem nicht irgendwo in den St. Georger Briefkästen neue Werbeblätter der großen Maklerhaie („Wir beraten Sie gerne, wenn Sie Ihr Haus verkaufen
wollen...“) auftauchen,
• alle naslang von Seiten des Bezirks immer neue Hotel- und Büroneubauten ins Gespräch kommen,
halten wir vom Einwohnerverein an einem Mischviertel St. Georg fest, an einem Quartier, in dem sich auch in Zukunft die einkommensärmeren und die durchschnittlich verdienenden Menschen eine Wohnung und Gewerbetreibende einen Laden zu erträglichen Mietpreisen erlauben können. Doch dafür bedarf es einer grundsätzlichen Änderung in der Stadtteil-entwicklungspolitik, im Schanzenviertel, in St. Pauli, im Gängeviertel, in St. Georg und anderswo!
Dafür brauchen wir Unterstützung, dafür machen wir Druck. Das Recht auf Stadt ist
für alle da! (jo)
Samstag, 21. November 2009




